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Brazilian Jiu Jitsu für Turniere oder zum Überleben?
12.10.2024
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Um zu verstehen, wofür das Brazilian Jiu Jitsu entwickelt wurde, ist es wichtig, sich sowohl mit dem Begriff des BJJ als auch mit der Entstehungsgeschichte auseinanderzusetzen. Beim Brazilian Jiu Jitsu handelt es sich um eine Kampfkunst, die als effektive Form der Selbstverteidigung fungiert.

Der Ursprung des Jiu Jitsu ist Japan. Dabei wurde die Kampfkunst zu Zeiten des Bürgerkriegs im Land der aufgehenden Sonne entwickelt. Unterdessen kombinieren die Inselbewohner ihre Kampfkünste mit der Philosophie Chinas. Zu den philosophischen Grundlagen gehören die beiden Grundsätze:

  • Das Sanfte besiegt das Harte.
  • Der Schwache überwältigt den Starken.

Die beiden Prinzipien sind eine Grundlage des Brazilian Jiu Jitsu.

Kämpfen stellt für Anhänger der Kampfkunst BJJ eine Möglichkeit dar, um ihre Stärke zu testen. Doch gerade im Gracie Jiu Jitsu kommt es auf die Dynamik an, auf die Fähigkeit, zu improvisieren. Es geht nicht darum, einen starken Gegner mithilfe von Kraft zu besiegen, sondern darum, eine bessere Lösung zu finden.

Welches Ziel besteht darin, BJJ zur Selbstverteidigung zu erlernen?

Es geht um das Überleben und darum, mit unvorhersehbaren Situationen umzugehen. Im Training werden die Kampfkünstler des BJJ darauf vorbereitet, auf brutale und gewaltvolle Angriffe zu reagieren. Sie lernen, sich zu wehren, wenn sie jemand auf der Strasse angreift. Das Training basiert auf Techniken, die sich mit der Realität vergleichen lassen.

Schwitzkasten kommen in Kämpfen auf der Strasse des Öfteren vor. Schläge und Tritte sind ebenfalls Angriffe, die in Wirklichkeit erfolgen, im Jiu Jitsu Sport jedoch verboten sind.

In Strassenkämpfen sind Schläge, Tritte und Schwitzkasten gängige Waffen. Deshalb ist es wichtig, Techniken der Selbstverteidigung aus dem BJJ anzuwenden. Wenn ein Laie auf der Strasse angreift, läuft der Kampf vollkommen anders ab als bei einem Wettkampf auf der Matte. Im sportlichen Jiu Jitsu dominieren die Regeln, die Sportler erlernen, um einen Wettkampf für sich zu entscheiden.

Die Unwissenheit über das Jiu Jitsu als Form der Selbstverteidigung schreit nach Aufklärung

Das originale BJJ enthält Schlag-, Tritt- und Wurftechniken. Es ist ein komplettes Kampfsystem. Allerdings vertreten zahlreiche Menschen die Auffassung, dass das Jiu Jitsu mit anderen Kampfstilen kombiniert werden muss, um vollkommen zu sen. Heutzutage sieht die Mehrheit der Menschen, die sich mit Kampfkunst auseinandersetzen, Jiu Jitsu als Kampfkunstsystem, das einer Kombination mit anderen Kampfkunststilen bedarf. Im Falle des Gracie Jiu Jitsu trifft das nicht zu.

Ob das BJJ zum Überleben gedacht ist, lässt sich mit einer einfachen Frage klären: Welcher Angriff rangiert weit oben, wenn es um Kämpfe auf der Strasse geht? Richtig: Es ist der Faustangriff. Unterrichtet das BJJ, das sich auf Turniere fokussiert, Techniken, die sich gegen diesen Angriff eignen? Nein, das trifft lediglich auf das Gracie Jiu Jitsu zu.

Die Entwicklung der unbekannten Trennungslinie

Wenn es eine Möglichkeit gäbe, die Entwicklung des BJJ für Turniere aufzuzeichnen, würde eine Spaltung der Linie, aus dem das BJJ stammt, erfolgen. Sie teilt das BJJ in zwei Hälften. Dasselbe ist mit Judo passiert. Einst diente es der Selbstverteidigung, mittlerweile agiert es als Kampfsport. Diejenigen, die Varianten für Turniere bevorzugen, fokussieren sich darauf, bessere Athleten zu werden. Sie denken nicht daran, einen Messerangriff abzuwehren, sondern lieber ihre Beine in die Hand zu nehmen und wegzurennen. Obendrein interessieren sie sich nicht für die Selbstverteidigung.

Das Gracie Jiu Jitsu war ein komplettes Kampfsystem, das das Überleben gewährleisten sollte, auch wenn die Werbung für diese Kampfkunst über den Ring für Kampfsport erfolgte. Die Techniken beinhalteten wertvolle Abwehrvarianten gegen unterschiedliche Angriffe.

In den 1960-er Jahren fand die Gründung der Vereinigung des Jiu Jitsu statt. Zeitgleich entwickelten die Gründerväter der Vereinigung Regeln und Punktesysteme für Turniere. Das Ziel bestand darin, das Jiu Jitsu zu verbreiten und den Erfolg des Judo zu kopieren. Der Fokus lag auf den Bodenkämpfen, unterschiedlichen Positionen und der Fähigkeit, die zahlreichen Stellungen zu kontrollieren. Ferner haben sie einfachere Wege gefunden, um ihre Ziele zu erreichen, indem sie ihre Regeln nutzten.

Die zwei weniger bekannten Hauptregeln

Wie lassen sich das BJJ, das sich auf Turniere fixiert und das Brazilian Jiu Jitsu, welches für das Überlegen gedacht ist, auseinanderhalten? Die Unterscheidung erfolgt mithilfe von zwei weniger bekannten Regeln.

Meister Hélio hatte eine Grundregel, die besagte: Drehe deinem Gegner niemals deinen Rücken zu. Denn wer sich von seinem Angreifer mit dem Gesicht wegdreht, rennt in den sicheren Tod. Strategisch gesehen, ist es notwendig, dem Feind in die Augen zu sehen und dessen nächsten Schritt zu antizipieren. Da wir auf dem Rücken keine Augen haben, ist dies nicht möglich und somit im Gracie Jiu Jitsu verboten. Im BJJ, das sich auf Turniere fokussiert, haben die Gründer Punkte für Bewegungen, die dem Gegner den Rücken zudrehen, vergeben.

Was besagt die zweite wichtige Regel? Es ist nicht gestattet, aus der Deckung zuzuschlagen. Deshalb dominieren in den Wettkämpfen Triangle-Techniken. Im Brazilian Jiu Jitsu, das zum Überleben gedacht ist, gilt es Bewegungen zu unterlassen, die Risiken erhöhen. Bei den Turnieren wiederum vollziehen Kämpfer riskante Techniken. In einem Strassenkampf, der auf Selbstverteidigung ausgerichtet ist, geht es um die Risikominimierung mit Notfallplänen. Wer sich verteidigen möchte, benötigt stets einen sogenannten Notfallplan, wenn eine Technik nicht funktioniert. Das BJJ bietet zahlreiche Ressourcen und Ausweichmöglichkeiten.

Die Gefahr, die aus einem Training, das auf Turniere fokussiert ist, resultiert, besteht darin, dass Kämpfer bei einem Strassenangriff so reagieren, wie sie es im Training praktizieren. Aufgrund des erhöhten Adrenalins und der Gedächtnisfunktion des Gehirns kämpfen wir genauso wie wir trainieren. Sie wären somit schlimmstenfalls nicht in der Lage, sich erfolgreich gegen einen unerwarteten Angriff zu wehren.

Im BJJ, das der Selbstverteidigung dient, dominieren Synergien zwischen Stand-, Wurf-, Schlag- und Bodentechniken. Es handelt sich um ein System, das in sich geschlossen ist. Ein Kampfkünstler, der das Gracie Jiu Jitsu praktiziert, benötigt kein Zusatztraining im Judo oder im Wrestling, um seine Wurftechniken zu praktizieren, da er diese im BJJ-Training erlernt.

MMA hat ein wenig dabei geholfen, die Stellung des BJJ zu verdeutlichen. Allerdings dient MMA nicht der Selbstverteidigung, denn es lehrt weder Techniken für Überraschungsangriffe noch für Angriffe, bei denen mehrere Angreifer angreifen. Das BJJ hingegen eignet sich, um zu überleben, weil es Techniken lehrt, die für körperlich überlegenere Angreifer konzipiert wurden.

Fazit

Das BJJ ist eine Kampfkunst, die sich für das Überleben eignet. Sie stammt aus den Zeiten, in denen ein heftiger Bürgerkrieg in Japan dominierte. Ferner fokussieren sich die Abwehrtechniken auf Angriffe, die typischerweise auf der Strasse erfolgen. Dazu zählen insbesondere Schläge, Tritte und Schwitzkasten. Doch gerade diese Angriffe sind bei Turnieren verboten. Somit lässt sich die Frage, wofür sich das BJJ eignet eindeutig beantworten: Das Gracie Jiu Jitsu soll das Überleben sichern.