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Wer ist Royce Gracie?
01.09.2023
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Kindheit und frühe Entwicklung zu einer wichtigen Figur für das Gracie Jiu Jitsu

Royce Gracie wurde am 12. Dezember 1966 als einer von sieben Söhnen des bekannten Brazilian Jiu Jitsu Grossmeisters Hélio Gracie in Rio de Janeiro geboren. In frühen Kindheitstagen begann Royce bereits die Techniken der Kampfkunst, mit Fokus auf den Aspekt der Selbstverteidigung durch seinen Vater Hélio und die älteren Brüder Rorion, Rickson, Relson und Royler zu erlernen. Den ersten Wettkampf absolvierte er im Alter von 8 Jahren. Mit 14 Jahren übernahm Royce schliesslich mehr Verantwortung in der Akademie seines Vaters, in dem er selbst Gracie Jiu Jitsu unterrichten durfte. Aufgrund der Richtlinien zur Gürtelvergabe des Brazilian Jiu Jitsu Verbandes erhielt Royce jedoch erst mit 16 Jahren seinen Blaugurt. Bei der Vergabe seines schwarzen Gürtels hatte er eigentlich noch nicht die Mindestanforderungen an das Alter eines solchen Gürtelträgers erreicht. Trotzdem verliehen ihm sein Vater Hélio und sein älterer Bruder Rickson aufgrund seiner starken Leistungen und Hingabe zur Kampfkunst in einer Zeremonie den höchsten Gürtelgrad.

Die ersten Wettkämpfe von Royce Gracie als junger Schwarzgurt waren weniger erfolgreich. Sein Debüt als Schwarzgurt im Wettkampfsport des BJJ verlor er gegen Pachoal Magalhaes, einem Schüler von Osvaldo Alves. Den nächsten Kampf gegen den erfahrenen Wettkämpfer Fabio Santos verlor Gracie ebenfalls. Trotz der anfänglichen Niederlagen als Schwarzgurt sammelte Royce erste wichtige Erfahrung als Wettkämpfer gegen routinierte Gegner. Während dieser Zeit bestritt er zudem seine ersten erfolgreichen Vale Tudo Kämpfe. Kurz darauf schloss er sich seinem älteren Bruder Rorion an und ging zusammen mit diesem in die Vereinigten Staaten, um die Kampfkunst des Gracie Jiu Jitsu zur Selbstverteidigung zu unterrichten und bekannter zu machen.

Der Weg zum erfolgreichen UFC Kämpfer und weltweiten Botschafter des BJJ

Im Jahr 1993 wählte die Familie Gracie mit Oberhaupt Hélio unter allen Brüdern Royce als den geeigneten Kandidaten aus, hauptsächlich aufgrund seines durchschnittlichen Körperbaus mit schlanker und grosser Statur, um an der ersten Ultimate Fighting Championship (UFC) teilzunehmen. Sollte Royce trotz seiner körperlichen Unterlegenheit das Turnier gewinnen, würde die Effektivität des Kampfstils der Gracies noch deutlicher unter den anderen Kampfkünsten hervorstechen. Das Event wurde damals von Rorion Gracie, John Milius (ein amerikanischer Regisseur) und Art Davie (Co-Produzent) geplant und zählte als eine der ersten offiziellen Vale Tudo Veranstaltungen in den Vereinigten Staaten.

Bei der UFC handelte es sich dabei um eine Veranstaltung, welche die grundlegende Frage klären sollte, welcher Kampfstil sich in einem Vollkontaktkampf als überlegene Disziplin herausstellt. Ähnlich wie bei den Gracie Challenges und Vale Tudo Kämpfen, durch die sein Vater Hélio, sein Onkel Carlos oder auch sein Bruder Rickson dem Familiennamen Gracie nationale Berühmtheit verschafften, gab es bei dem freien Kampf in der UFC kaum Einschränkungen. Es traten jeweils acht Athleten unter anderem aus den Kampfsportarten Karate, Muay Thai, Ringen, Gracie Jiu Jitsu und Judo in einem K.o.-System gegeneinander an. Für das Turnier wurden nur wenigen Regeln festgelegt, Runden, eine Zeitbeschränkung, Auszeiten, Punktrichter und Gewichtsklassen gab es keine. Ein Kampf endete, sobald einer der Kämpfer aufgab, seine Ecke das Handtuch warf oder der Ringrichter den Kampf unterbrechen musste. Die Kämpfe fanden in einem achteckigen Ring mit Umzäunung statt. Dem Sieger wurde ein Preisgeld von 50.000 US-Dollar versprochen und der Ruhm, die eigene Kampfsportart als dominante Disziplin zu präsentieren.

Der Gracie Jiu Jitsu Kämpfer Royce trug während des Wettkampfs den traditionellen Kimono der Kampfkunst. Er schaffte es trotz seiner körperlichen Unterlegenheit alle drei Gegner durch Würgegriffe in kurzer Zeit zu besiegen. Der erste Gegner mit Art Jimmerson war ein talentierter Profi-Boxer, den Royce schnell auf den Boden brachte und in der Mount-Position nach ungefähr zwei Minuten zur Aufgabe zwang. Ken Shamrock, der als einer der Favoriten in das Turnier ging, bezwang er zum Erstaunen der Zuschauer in unter einer Minute durch Rear-Naked-Choke. Im Finale stand Gracie einem niederländischen Kickboxer gegenüber, der mit 1,96 m und 98 kg ziemlich einschüchternd wirkte. Royce sah dagegen wie ein durchschnittlicher Mann aus, was seinem Sieg nach zwei Minuten ebenfalls durch Rear-Naked Choke so beeindruckend machte.

Das Event am 12. November 1993 in der McNichols Sports Arena in Denver, im Bundesstaat Colorado in den Vereinigten Staaten ging später in die Geschichtsbücher als Geburtsstunde von Mixed Martial Arts (MMA) ein, einer Kombination verschiedener Kampfsportarten mit festgelegten Regeln. Royce repräsentierte den Stil des Gracie Jiu Jitsu bei den ersten vier Veranstaltungen der UFC und konnte das Turnier insgesamt dreimal gewinnen. Im Finale des dritten Events musste Gracie sich aufgrund einer Verletzung aus dem vorherigen Kampf geschlagen geben. Diese Erfolge zu den Anfangszeiten der UFC trugen massgeblich zu seinem Status als Legende des Gracie Jiu Jitsu bei.

Die weitere MMA-Laufbahn

Nach einer fünfjährigen Auszeit von Wettkämpfen im MMA stellte sich Royce im Jahr 2000 wieder der Herausforderung. Er nahm an Kämpfen in der japanischen Veranstaltung Pride FC, bei K1 Dynamite und der UFC teil. In Japan kämpfte Royce zunächst beim Pride Grand Prix 2000 gegen Nobuhiko Takada, den er durch Punkte besiegte. Der darauffolgende Kampf gegen den japanischen MMA Superstar Kazushi Sukuraba gilt mit 90 Minuten als längster Kampf der MMA Geschichte. Zudem bestritt Royce einen Kampf gegen den Olympiasieger Hidehiko Yoshida aus der Disziplin des Judos, welchen er klar dominierte. Der grösste Gegner dem Royce jemals gegenüberstand war der Sumo Grand Champion Taro Akebono mit einer Körpergrösse von 2,03 Metern und einem Gewicht von 220 kg. Diesen besiegte er bei einer Veranstaltung von K-1 Dynamite 2004 nach knapp zwei Minuten. Im Jahr 2006 kehrte Royce zurück zur UFC, für einen Kampf gegen den damaligen Champion im Weltergewicht in Matt Hughes.

Karriereende und Vermächtnis des Gracie Jiu Jitsu Kämpfers

Im Jahr 2003 wurde Royce als Erster in die UFC Hall of Fame aufgenommen und geniesst bis heute weltweit einen Status als MMA Ikone. Gracie beendete 2007 seine erfolgreiche Karriere zunächst nach seinem Kampf gegen Kazushi Sukuraba. Im Jahr 2016 kehrte Royce für einen lang ersehnten Rückkampf gegen Ken Shamrock bei Bellator 149 zurück. Zur Überraschung vieler MMA Fans siegte Gracie in der ersten Runde überzeugend durch einen technischen K.o. gegen den amerikanischen Ringer. Nach dem letzten Aufeinandertreffen der beiden Kämpfer bei UFC 5, was in einem Unentschieden nach 36 Minuten Kampfzeit endete, bewies Royce eindrucksvoll seine kämpferischen Fähigkeiten und Überlegenheit.

Nach dem Tod des Grossmeisters Hélio Gracie im Januar 2009 beschloss Royce zu Ehren seines Vaters den schwarz-roten Gürtel, bestimmt für aktive Träger des Schwarzgurtes mit mehr als 30 Jahren Erfahrung, abzulegen und stattdessen einen marineblauen Gürtel zu tragen. Das ursprünglich entworfene Gürtelsystem von Hélio sah nur zwei Gürtelfarben vor. Der weisse Gürtel war für Schüler vorgesehen und der blaue Gürtel für den Lehrmeister. In den Folgejahren nach der Gründung des Brazilian Jiu Jitsu Verbandes kam es zu einigen grundlegenden Regeländerungen bezüglich der Wettkämpfe, der Gürtelgrade und des Trainings zum Missfallen von Hélio Gracie.

Bis heute ist Royce Gracie bekannt als Legende des Gracie Jiu Jitsu und MMA. Er blickt auf eine äusserst erfolgreiche Kampfkarriere im MMA mit einem Rekord von 15 Siegen und nur zwei Niederlagen zurück. Royce feierte beeindruckende Siege gegen Legenden wie Ken Shamrock, Dan Severn und Kazushi Sakuraba. Nachdem er die UFC verliess setzte er seine Kampfkarriere in Japan fort und wurde dort mit seinem Kampfstil zu einem Fanliebling. Im Ruhestand fördert Royce bis heute die Kampfkunst des Gracie Jiu Jitsu mit dem Aspekt der Selbstverteidigung durch Unterricht und Seminare.